REGIODATA-STUDIE: DER LEBENSMITTELHANDEL BAUT SICH UM

Der Umsatz im Lebensmittelhandel steigt stetig. Die Zuwachsraten liegen seit Jahren weit über der Inflation.

Auch für heuer wird eine Steigerung von 4,5 % erwartet. Doch innerhalb der Branche werden wesentliche Veränderungen sichtbar.

 Fast ein Drittel aller Konsumausgaben geht an den Lebensmittelhandel
Mit 23 Mrd. € ist der Lebensmittelhandel mit deutlichem Abstand die größte und wichtigste Einzelhandelsbranche in Österreich. Über 31 % aller Ausgaben für den Einzelhandel werden in den etwa 5.700 Lebensmittelgeschäften getätigt. Zum Vergleich: Die zweitgrößte Einzelhandelbranche, der Bekleidungshandel, kann demgegenüber nur etwa 9 % der handelsrelevanten Ausgaben binden.

 Corona bringt unerwartete Umsatzzuwächse
Während des mehrwöchigen Lock-Downs profitierte der Lebensmittelhandel in mehrfacher Weise: Die Schließung der Gastronomie bescherte ein regelmäßiges Essen zu Hause und dementsprechende Einkäufe. Und das wurde durch das plötzlich einsetzende Home-Working noch verstärkt und schließlich erzielte der Lebensmittelhandel – insbesondere Interspar, Hofer und Lidl – Zusatzumsätze durch Non-Food-Artikel, die man sonst nirgendwo kaufen konnte, etwa Gartenartikel oder Spielwaren. Aus heutiger Sicht wird sich das am Ende des Jahres mit einem Umsatzplus von 4,5 % für die Branche auswirken und im Jahr 2021 vermutlich wieder in den langjährigen Normalbereich von knapp + 2,5 % bewegen – trotz des zu erwartenden Kaufkraftverlustes größerer Bevölkerungsgruppen.

 Expansion nur mehr in Neubaugebieten
An den Marktverhältnissen ändert sich nur wenig: Die „Big 4“ REWE, Spar, Hofer und Lidl decken 91 % des gesamten Marktes ab – eine auch im internationalen Vergleich beachtenswerte Konzentration. Während in den letzten Jahren vor allem REWE, Lidl und Hofer expandiert hatten (+ 127 neue Standorte in den letzten 3 Jahren), hat die Spar-Gruppe ihre Standorte sogar reduziert (- 62 Standorte in den letzten 3 Jahren). Aktuell scheint der Drang neue Standorte zu eröffnen deutlich abgeschwächt, es sei denn, es ergeben sich interessante neue Standorte in den großen Stadtentwicklungsprojekten, etwa in Wien und Graz.

 Diskonter können Marktanteil nicht ausbauen
Obwohl vor allem Lidl und Hofer expandieren und in den letzten drei Jahren insgesamt 65 neue Standorte eröffnet oder bestehende vergrößert haben (z.B. durch einen Backshop), liegt der Marktanteil der Diskonter in Österreich bei 30,6 % und ist damit exakt gleich hoch wie vor drei Jahren.

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