Große regionale Unterschiede in Spaniens Internetnutzung

Veröffentlicht: 14. November 2018

RegioData hat die Neigung der spanischen Wohnbevölkerung zur Internetnutzung bzw. der Nutzungsintensität von Onlineangeboten untersucht. Generell fällt die Onlineaffinität großer Städte wie Madrid, Valencia, Sevilla und Málaga sowie Tourismusgemeinden, wie jene bei den Pyrenäen, hoch aus. Das liegt daran, dass die öffentlichen Plätze dieser Tourismus-Magneten, wie Bahnhöfe, Busstationen, Kaufhäuser, Restaurants, Cafés und Museen sowie viele Hotels und Ferienhäuser mit breitflächigen, kostenlosen Internetzugang ausgestattet sind. Aber es liegt auch daran, dass die Kaufkraft in diesen Regionen höher ist. Denn immerhin liegen Spaniens Internetkosten deutlich über jenen von Deutschland und Österreich. Auf den balearischen Inseln, insbesondere auf Mallorca und Ibiza, sowie in Katalonien und dem Baskenland wird mit High-Speed-Internet zu unglaublich niedrigen Preisen bei Einwohnern und Touristen geworben.
Das Internet ist dort, mehr als anderswo in Spanien, zu einem elementaren Bestandteil des täglichen Lebens geworden. Eine aktuelle Studie hat ergeben, dass über 80% der katalonischen Männer und Frauen im Alter von 16 bis 74 Jahren mindestens einmal pro Woche das Internet nutzen, das heißt, auch bei den Älteren ist das Internet angekommen. 45% der Einwohner bestellen Waren oder Dienstleistungen über das Internet. Vor zehn Jahren sah dies noch ganz anders aus: Die Internetnutzung lag in Spanien deutlich unter dem europäischen Durchschnitt und stagnierte. Zurückzuführen war dies auf die fehlende Verfügbarkeit von Breitbandanschlüssen, auf die zu langsame Internetverbindung und auf die zu geringe Schaffung neuer Anschlüsse. Ebenso Schuld waren die viel zu hohen Preise für schlechte Leistung und unzureichende Servicequalität.
Lange Zeit war der Telekomakonzern Telefónica Monopolist in Spanien und verfügte als einziger Anbieter über ein nationales Netz mit direktem Zugang zum Endkunden. Der Riese erschwerte es anderen Unternehmen massiv, am Markt Fuß zu fassen, geschweige denn sich zu etablieren. Mittlerweile hat sich die Lage entschärft und neue, heimische Internetanbieter, wie z.B. Euskaltel, beleben den Markt. In den ländlichen Bereichen im Zentralraum ist die Onlineaffinität hingegen nach wie vor gering. Hier müsse man mit langsamen Verbindungen auskommen, weil z.B. dafür notwendige Vermittlungsstellen noch nicht umgerüstet wurden.
Zwei regionale Auffälligkeiten sind die einerseits sehr geringe Internetnutzung in Galizien und die andererseits äußerst hohe Internetnutzung an der Grenze zu Portugal. Generell wenden sich immer mehr Spanier dem Onlinehandel zu. Auch wenn die Onlineumsätze in der Höhe von 227 Euro pro Einwohner und Jahr im Vergleich zu Österreich (885 Euro pro Kopf und Jahr) noch gering sind, so ist ein gutes Wachstum der E-Commerce Branche erkennbar. Vor allem für Reisen, Elektronik, Mode, Schuhe und Accessoires sowie Bücher wird online gerne Geld ausgegeben. Mittlerweile haben sich in Spanien sogar die Phänomene „iPad Sunday“ und „Cyber Monday“ etabliert, wo besonders intensives Online-Shopping betrieben wird. Was die spanische Bevölkerung zudem charakterisiert, ist die überdurchschnittlich hohe Nutzung sozialer Netzwerke.

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