DIE KAUFKRAFT DER EUROPÄER NIMMT KRÄFTIG ZU

Die durchschnittliche Kaufkraft* in Europa ist auch 2017 wieder gestiegen, und zwar deutlich stärker als in denVorjahren. Bei den einzelnen Ländern bestehen allerdings gravierende Unterschiede: Die Differenz zwischen dem ärmsten und dem reichsten Land wird seit Jahren kontinuierlich größer und beträgt bereits fast € 40.000 pro Einwohner und Jahr.

  • Europa im stabilen Aufwärtstrend
    Der europäische Durchschnittswert der Kaufkraft ist 2017 in Relation zu 2010 um mehr als 25% gestiegen (in € bzw. €-Paritäten; nominell). Selbst unter Abzug der jeweiligen Inflationsraten bleibt im Durchschnitt noch ein sattes Plus in der Geldbörse.
    Zu den größten Aufsteigern, berechnet in €, gehören Island, Russland, Moldau, Tschechien und Weißrussland. Die spektakuläre Steigerung der Kaufkraft in Island ist durch die boomende Wirtschaft, vor allem im Tourismus, und durch die fast schon besorgniserregende Stärke der Landeswährung bedingt.
    Russland hat mit Ende 2017 eine nominelle Steigerung in € von fast 20% verzeichnet, und auch Weißrussland konnte einen Anstieg von ca. 10 % verbuchen, ebenso eine Folge der Währungsschwankungen. Real in Landeswährung betrug die Steigerung in Russland für 2017 nur etwa 2,3 %. Die wirtschaftlichen Folgen der Ukraine Krise scheinen sich damit wohl wieder normalisiert zu haben und an das Vorkrisenniveau anzuknüpfen. Denn auch die Ukraine, die ihren letzten Kaufkraft-Höhepunkt Ende 2013 erreicht hat, und sich dann bis 2016 im Abwärtstrend befand, ist bis Ende des Jahres 2017, in € gemessen, fast 8 % gestiegen. In Landeswährung erreichte die Ukraine bis Ende 2017 sogar einen nominellen Anstieg von fast 15 % und eine reale Steigerung von 1,5 %. In absoluten Zahlen sind Island mit einer Steigerung von über € 5.000 und Norwegen mit einer Steigerung von über € 1.000 die großen Durchstarter des Jahres 2017.
  • Verlierer: Großbritannien und Türkei
    Während im Krisenjahr 2009 die Einwohner von mehr als 20 europäischen Ländern Kaufkraftverluste verzeichneten, sind es Ende 2017 nur mehr zwei Länder: Großbritannien und die Türkei. Das vereinigte Königreich, das in absoluten Zahlen, 2014 und 2015 zu den größten Aufsteigern zählte, verbuchte Ende 2016, dem Brexit sei Dank, den größten Rückgang von über € 2.000. Die rückläufige Kaufkraft ist hier zum Großteil auf das schwache Pfund zurückzuführen, das mit dem Brexit-Votum einherging. 2017 verzeichnete Großbritannien einen Rückgang von -2,6 % (in €; nominell). Die Türkei erlebte sogar einen Rückgang von beinahe -5 %. Um den Wechselkurs bereinigt, haben jedoch beide Länder ein leichtes nominelles Plus erwirtschaftet.
  • Europavergleich: Die Unterschiede werden immer größer
    Im europäischen Vergleich wird der Abstand zwischen den Ländern an der Spitze und jenen auf den hinteren Plätzen immer größer. Im Jahr 2013 lag die Differenz zwischen dem kaufkraftstärksten Land, damals Luxemburg, und dem ärmsten Land, damals Moldau, bei ca. € 30.000. Mit Ende 2017 ist die Differenz zwischen dem derzeitigen ersten Platz, Schweiz – mit einer absoluten Kaufkraft von € 39.588 - und dem letzten Platz, Moldau - mit einer absoluten Kaufkraft von € 1.256 - auf über € 38.000 gestiegen. Auch die Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern werden drastischer.
    Mit Ende des Jahres konnte sich die Schweiz ihren großen Vorsprung mit einer erwarteten nominellen Steigerung in € von 1,6% weiterhin halten. Doch auch die unteren Ränge geben sich nicht so leicht geschlagen, sie brauchen nur ungleich länger. Rumänien verzeichnet schon seit Jahren in Folge relativ große Steigerungen. Ende 2017 verzeichnete das Land eine nominelle Steigerung in € von gar 8,1 %. Auf Grund des niedrigen Kaufkraftniveaus fällt die absolute Steigerung jedoch immer noch niedriger aus als bei den kaufkraftstärkeren Ländern, wodurch die absolute Differenz weiter steigt.

*Unter Kaufkraft werden alle in einem Jahr für den privaten und nicht privaten Konsum zur Verfügung stehenden Geldmittel verstanden, unabhängig davon ob diese beispielsweise aus unselbstständiger oder selbstständiger Tätigkeit, aus Transferzahlungen oder Aktien resultieren. Die durchschnittliche Pro-Kopf-Kaufkraft ist ein statistischer Wert, der keine Auskunft über die finanzielle Situation einer einzelnen Person und auch nichts über die Verteilung des Wohlstandes in der Gesellschaft gibt. Sie ist ein nationaler oder regionaler Wohlstandsindikator, der einen direkten Vergleich zwischen verschiedenen Ländern und Regionen ermöglicht.

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