Vergessene Märkte - Weißrussland

Mit einer Fläche mehr als zweieinhalb mal so groß wie Österreich und nur wenig kleiner als Rumänien ist Weißrussland im Nordosten Europas ein Land, das nur ganz selten auf den Expansionsplänen grosser internationaler Unternehmen auftaucht.
Trotz seiner Grösse ist das Land nur dünn besiedelt – 9,7 Mio Einwohner, von denen 1,8 Mio in der Hauptstadt Minsk leben, ergeben eine halb so hohe Einwohnerdichte wie in Österreich. Langfristig gesehen wird sich die Einwohnerzahl aber verringern. Eine Tendenz, wie sie aus vielen osteuropäischen Ländern (u.a. Ukraine oder Rumänien) bekannt ist und die vor allem durch Abwanderung in andere Länder bedingt ist.
Trotz alldem bietet der Markt in Weißrussland aber ein sehr interessantes Umsatzpotenzial und mittelfristige Entwicklungsmöglichkeiten. Allerdings war in den letzten Jahren in den übrigen osteuropäischen Ländern eindeutig mehr Aktivität zu sehen als derzeit in Weißrussland. So ist die Shopping Center Dichte mit 0,02m² je Einwohner noch immer extrem niedrig und auch die Anzahl von geplanten Projekten liegt weit hinter den sinnvollen Möglichkeiten. Zur Zeit sind nur 6 Shopping Center Projekte in der Pipeline – darunter mit der Mega Plus City in Minsk ein Center, welches in 2 Ausbauphasen insgesamt 140.000m² Verkaufsfläche umfassen soll. Die Fertigstellung liegt jedoch in weiter Ferne. In anderen Ländern mit ähnlicher Grösse und ähnlicher Wirtschaftsleistung, wie z.B. Bulgarien, ist die Liste der Projekte mit über 60 Projekten um ein Vielfaches länger.
Der derzeit spärliche Bestand an Einkaufszentren besteht vor allem aus kleineren Centern, von denen fast alle in Minsk liegen. Trotz hoher Renditen (im Retailbereich 10,5%!) ist die Investionsbereitschaft aber gering. Der Hauptgrund für die zögerliche Expansion findet sich, neben der noch sehr schwachen Kaufkraft auf höchster Ebene in der politischen Situation. Die "letzte Diktatur in Europa" bietet keinen Nährboden für Investitionen. Sie ist für internationale Unternehmen nicht stabil und "sauber" genug.
So liegt z.B. der Anteil der Schattenwirtschaft am BIP bei 50% (s. Karte)! Und solange sich in den politischen, rechtlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen nichts wesentliches ändert, wird Weißrussland weiter zu den "vergessenen Märkten" zählen.


22./23.02.2012