Reiche Warschauer, arme Berliner

Es liegt nahe zu vermuten, dass die höchste Kaufkraft eines Landes immer in der Hauptstadt liegt. Immerhin konzentrieren sich dort Verwaltung, Firmensitze und zentrale öffentliche Einrichtungen.
In vielen europäischen Ländern trifft das tatsächlich zu, aber nicht überall. Die Menschen in Berlin verfügen z.B. über 10 Prozent weniger Kaufkraft als der Deutschland-Schnitt. Während die Kaufkraft eines Deutschen im Schnitt bei rund 17.800 Euro liegt, verfügt ein Berliner durchschnittlich über nur rund 16.130 Euro (10 Prozent weniger). Angesichts der früheren Teilung Berlins und der damit verbundenen Kaufkraftunterschiede ist dieses Ergebnis jedoch verständlich.
Auch in anderen Ländern sind die Unterschiede zwischen Hauptstadt und Rest des Landes relativ gering, so z.B. in Österreich (Wien liegt nur 4% über dem Schnitt) oder in der Schweiz (16% über dem Schnitt). Generell kann man sagen, dass es insbesondere in kleinen westlichen Ländern mit stark entwickelter Wirtschaft die geringsten regionalen Differenzen gibt.
Dass es innerhalb der Hauptstädte natürlich noch kleinräumigere Kaufkraftunterschiede gibt ist klar. Berlin-Mitte oder Charlottenburg haben deutlich mehr Kaufkraft als Neukölln oder Marzahn. Ähnlich in Wien: im ersten Bezirk ist das verfügbare Einkommen doppelt so hoch wie im 15. Bezirk.
In Osteuropa liegen die Hauptstädte bei der Kaufkraft nach wie vor dramatisch vorne. So beispielsweise in Warschau (75 Prozent mehr Kaufkraft als im Schnitt Polens), in Bratislava oder in Bukarest (je circa 50 Prozent mehr Kaufkraft als im jeweiligen Landesdurchschnitt).
Zu den westeuropäischen Ländern mit den größten Unterschieden zählt Spanien: ein Madrider verfügt über rund 43 Prozent als der Durchschnitt. Auch in Brüssel liegen die Einkommen über 30 Prozent über dem belgischen Schnitt.

