Kaufkraftentwicklung Polen: Stadtumland holt auf, südliche Industriegebiete schwach

Die polnische Wirtschaft verzeichnet bereits seit Jahren Zuwächse, die Wachstumsraten liegen konstant stark über dem Durchschnitt der EU-28. Dies spiegelt sich auch im Wohlstandsniveau wider: Die Summe der absoluten Kaufkraft in Polen stieg von 2010 bis 2014 um nominal rund +16% an. Ein Prozentpunkt ist hierbei auf das Bevölkerungswachstum zurückzuführen, der Rest auf den Anstieg der absoluten Kaufkraft je Einwohner.
Die Veränderung der absoluten Kaufkraft fällt regional sehr unterschiedlich aus und schwankt für diesen Zeitraum zwischen +3% und +36%. Dies ergibt sich aus einer Veränderung der absoluten Kaufkraft je Einwohner von +4% bis +32% und einer regionalen Bevölkerungsveränderung von -5% bis +14%.
Überdurchschnittlich hohe Anstiege konnten vor allem die Gebiete um die größeren Städte verbuchen, insbesondere in der Woiwodschaft Kujawsko-Pomorskie (Umland von Bydgoszcz, Grudziądz...) aber auch z.B. Kreise nahe Warschau, Krakau, Breslau und Danzig. Es entstehen somit immer mehr „Speckgürtel“ mit wohlhabenderer Wohnbevölkerung um diese Städte. Die Stadtgebiete selbst weisen zwar bereits eine vergleichsweise hohe Kaufkraft auf, deren Anstieg blieb aber allgemein im durchschnittlichen Bereich.
Besonders geringe Anstiege verzeichneten vor allem die Industrie- und Bergbaugebiete im Süden Polens. In der Woiwodschaft Opolskie entwickeln sich die Bezirke generell schwach, in Śląskie – ein Gebiet mit traditionell hoher Kaufkraft und dichter Besiedlung – sind vor allem die städtischen Gebiete (Gliwice, Bytom, Tychy...) von Bevölkerungsrückgang und schwacher Kaufkraftsteigerung je Einwohner betroffen. Dies ist eine Entwicklung die bereits in ähnlichen Gebieten in Europa – wie z.B. dem Ruhrgebiet – zu beobachten war und sich in naher Zukunft voraussichtlich fortsetzen wird.
Trotz der unterschiedlichen regionalen Steigerungsraten nahmen in Polen die bisher durchaus markant ausgeprägten regionalen Kaufkraftunterschiede ab. Der Gini-Koeffizient - eine statistische Maßzahl zur Messung der Gleichverteilung - der Kaufkraft pro Einwohner auf Gemeindeebene ging um rund 3% zurück, d.h. Die Gleichverteilung zwischen den Gemeinden hat sich somit um 3% erhöht.

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