Geht die Schere zwischen arm und reich auf?

In den letzten Jahren wurde das Thema der ungleichen Einkommens- und Vermögensverteilung immer wieder heftig diskutiert. Als Maß dieser wirtschaftlichen Verteilung, hat sich der sogenannte „Gini-Koeffizient“ international etabliert. Dieser Koeffizient liegt zwischen 0 (absolut gleiche Verteilung der Einkommen) und 1 (extrem ungleiche Verteilung: Einer hat Alles). Gemessen an dieser Zahl hat sich in Österreich praktisch nichts verändert. Laut den Statistiken von OECD und Eurostat ist in den letzten 10 Jahren der Koeffizient nur unmerklich gestiegen – 2005 verzeichnete Österreich einen Wert von 0,26 und zurzeit beträgt der Gini Koeffizient 0,27. Besonderen Grund zur Besorgnis, gibt es daher nicht. Betrachtet man hingegen unser Nachbarland Deutschland, so sieht dort die Entwicklung deutlich anders aus. Deutschland hat momentan einen Wert von 0,29, betrug er 2005 noch 0,26. Die Kluft zwischen Arm und Reich ist in Deutschland in den vergangenen 10 Jahren somit um einiges mehr gewachsen als in Österreich, und wird wie in den meisten europäischen Ländern voraussichtlich auch weiter wachsen.

Länder mit einer gleichmäßigeren Verteilung sind unter anderem die Niederlande mit einem Wert von rund 0,25, Schweden, Slowenien und die Slowakei mit jeweils einem Wert von ungefähr 0,24. Das EU Land mit der gleichmäßigsten Verteilung ist Norwegen mit einem Gini-Koeffizienten von 0,22. Seit 2010 ist dort der Wert konstant gesunken. Die gute Verteilung lässt sich in Norwegen vor allem auf das hohe Wohlstandsniveau und die hohen Sozialabgaben zurückführen. Die größte ungleiche Einkommens- und Vermögensverteilung in der EU hat Bulgarien mit einem Wert von 0,35. Ein paar Ausnahmen gibt es in Europa trotzdem, denn die Verteilungswerte in der Türkei und in Griechenland sinken seit einigen Jahren stetig. Betrug der Wert im Jahr 2004 in der Türkei noch 0,43 und in Griechenland 0,35, so beträgt der aktuelle Wert 0,41 bzw. 0,34.

Generell gesehen kann man beobachten, dass die Schere in Europa im Vergleich zu anderen Kontinenten, zwar nicht weit geöffnet ist, sich in Zukunft aber sanft öffnen wird. Eine ungleiche Verteilung bringt auch viele negative Entwicklungen mit sich. Auf wirtschaftlicher Ebene bedeutet das, dass Wohlhabende Teile ihres hohen Einkommens zur Seite legen oder anlegen, wobei das Einkommen ärmerer Haushalte direkt in den Konsum fließt. Des Weiteren wirkt sich eine schlechtere Lebensqualität auch auf die Bildung, Gesundheit und Sicherheit in einem Land aus.