Aktuelle Studie: Einzelhandel reduziert weiter Verkaufsflächen

Seit nunmehr dem vierten Jahr in Folge sinkt im österreichischen Einzelhandel die Verkaufsfläche. Heuer sind esimmerhin um fast 200.000 m² weniger als im Vorjahr. Bis 2020 wird der stationäre Handel, gemessen am Höchststand 2013, etwa 8 % an Fläche eingebüßt haben.

Über viele Jahre hinweg sind prozentuell mehr neue Verkaufsflächen entstanden, als der Einzelhandelsumsatz gestiegen ist. Die logische Folge waren sinkende Quadratmeterumsätze und ein verstärkter Standortwettbewerb. Die ertragreiche Bewirtschaftung der großen Verkaufsflächen wurde, auch angesichts der steigenden Kosten für Miete, Betriebskosten, Marketing, Personal etc., immer schwieriger. Am deutlichsten waren die Auswirkungen in den letzten Jahren bei jenen Branchen zu beobachten, die von der Abwanderung wesentlicher Umsatzanteile ins Internet betroffen waren und sind: Spielwarenhandel, Buchhandel, Elektrohandel. Viele Unternehmen verkleinern daher ihre Betriebstypen oder geben Standorte komplett auf. Neue Großflächen sind extrem selten geworden.
Seit dem Höchststand von knapp 1,8 m² pro Einwohner im Jahr 2013 ging die Verkaufsflächendichte in Österreich kontinuierlich zurück. 2015 waren es noch etwa 1,7 m² pro Einwohner und für das Jahr 2020 ist von einem Wert von unter 1,5 m² pro Einwohner auszugehen. Das entspricht einem Minus von ungefähr 1,5 Millionen m² oder vergleichsweise 210 Fußballfeldern. Obwohl die Verkaufsflächendichte in Österreich seit einigen Jahren im Sinken begriffen ist, ist sie im Vergleich mit anderen europäischen Ländern sehr hoch. Durch die nach wie vor hohe Kaufkraft der Konsumenten bleibt Österreich ein interessanter Markt für viele internationale Retailer. Aktuell verzeichnen nur Österreich, die Schweiz und die Niederlande eine Verkaufsflächendichte von etwa 1,7 m² pro Einwohner.
Viele Jahre waren der Lebensmittelhandel, der Möbelhandel und der Bekleidungshandel die Wachstumstreiber bei den Verkaufsflächen. Doch diese Situation hat sich verändert: Den Neueröffnungen im Lebensmittelhandel stehen etwa gleich viele Schließungen gegenüber und im Möbelhandel scheint sich die Phase der Expansion der Filialisten ebenfalls dem Ende zuzuneigen: Es gibt nur mehr punktuelle Eröffnungen und nur mit deutlich kleineren Betriebstypen (z.B. IKEA). Lediglich im Bekleidungshandel steigen die Verkaufsflächen seit Jahren, obwohl der Gesamtumsatz des stationären Bekleidungshandels in Österreich sogar leicht sinkt. Deutliche Flächenzuwächse erzielt, nach dem Schlecker/dayli Schock, nun auch wieder der Drogerie- und Parfümeriehandel, wobei sich aktuell Müller Drogerie am expansivsten zeigt.
Generell sind die Verkaufsflächenrückgänge entweder auf Einzelereignisse großer Marktteilnehmer, z.B. bei den Baumärkten Baumax, im Sportartikelhandel SportsDirect, im Lebensmittelhandel Zielpunkt etc., oder auf die Abwanderung größerer Umsatzanteile ins Internet (Buchhandel, Spielwarenhandel, etc.) zurückzuführen. Langfristig gesehen wird die Entwicklung vor allem davon abhängen, inwieweit die stationären Handelsflächen ihre Funktion und damit ihren Kundennutzen an die modernen Zeiten anpassen können, denn nur das „Warenherzeigen“ wird künftig zu wenig sein. Die Phase der Verringerung der Verkaufsflächen ist jedenfalls noch nicht zu Ende, jährliche Rückgänge von 1 – 2 % sind auch mittelfristig zu erwarten.