Onlinehandel: Das Europa der zwei Geschwindigkeiten?

Die Onlineanteile am Einzelhandelsumsatz steigen ohne Zweifel seit Jahren – und zwar in allen Ländern, und sie werden weiter steigen. Nach Expertenmeinung mittelfristig auf etwa 30 - 35 %, quer über alle Branchen. Doch diese Anteile sind in den einzelnen Ländern höchst unterschiedlich, während im Norden und Westen Europas die Onlineanteile relativ hoch sind, zeichnen sich im Süden und Osten niedrige Werte ab. So liegt der Spitzenreiter Großbritannien bereits bei fast 17 % des gesamten Einzelhandelsumsatzes, die Türkei oder Russland bei gerade mal 3,5 %.
Doch welche Faktoren sind es, die Höhe und Häufigkeit der Interneteinkäufe bestimmt? Oft wird die Verbreitung der technischen Ausstattung oder die Mentalität der Einwohner als Schlüsselkriterien genannt, doch nach genauerer Betrachtung zeigen sich folgende vier entscheidende Faktoren:
1. Die Kaufkraft: Je höher die Kaufkraft, desto höher ist der Anteil der Onlineeinkäufe. Bei einer hohen Kaufkraft bleibt mehr Geld für Dinge übrig, die man nicht unbedingt braucht, sondern sich lediglich wünscht. Und bei diesen Warengruppen - ist, im Gegensatz zu den Lebensmitteln, die man einkaufen muss – das Angebot im Internet gut und ausgereift.
2. Die Anbieter: Professionelle Anbieter in einer Branche steigern den Onlineanteil. Im Online-Musterland Großbritannien ist der Anteil vor allem deswegen so groß, weil die Bewohner im Lebensmittelbereich viel online einkaufen und das wiederum hängt mit den ausgereiften Angeboten von Tesco & den anderen zusammen. Ähnliche Steigerungen konnte man beispielsweise in Deutschland und Österreich durch den Einstieg von Zalando beobachten.
3. Die Handelskonzentration: Je weniger Handelsunternehmen in den einzelnen Branchen eines Landes tätig sind, desto höher ist der Onlineanteil. Österreich, die skandinavischen Länder oder die Schweiz seien hier als Beispiel genannt.
4. Die Logistik: Die Möglichkeiten und der Reifegrad der Logistik sind für die Entwicklung des Internethandels in einem Land ebenfalls entscheidend. Ist auf Grund der Größe eines Landes, schlechter Infrastruktur oder mangelnder Transportmöglichkeiten die rasche Zustellung der bestellten Waren nicht möglich, punktet natürlich der stationäre Handel.