Einzelhandel in Österreich: Retailer expandieren sehr ungern

Der stationäre Einzelhandel kämpft nach wie vor mit stagnierenden Umsätzen: Ein Grund dafür ist - wie schon in den Jahren zuvor - die immer stärker werdende Online-Konkurrenz. Dennoch planen die Einzelhändler weitere Filialeröffnungen. Sie gehen bei der Auswahl an passenden Standorten allerdings sehr selektiv vor.
Laut einer aktuellen Befragung von RegioData Research sind derzeit rund 560 filialisierte Einzelhändler und handelsnahe Unternehmen auf der Suche nach neuen Standorten in Österreich. Die Anzahl der Unternehmen beziehungsweise Vertriebslinien, die in Österreich in diesem Jahr expandieren möchten, ist im Vergleich zu 2015 und 2016 sogar leicht gestiegen. „Angesichts des insgesamt stagnierenden Einzelhandelsumsatzes ist die Zahl jener Unternehmen, die expandieren möchten ausgesprochen hoch“, sagt Wolfgang Richter, Geschäftsführer RegioData Research. An der Gesamtzahl der Filialfläche im österreichischen Einzelhandel wird sich aber deshalb nichts Gravierendes ändern, denn: Bei einem Großteil der Neueröffnungen findet lediglich ein Austausch von Filialisten statt. Die Expansion passiert auf bestehender Fläche. Das bedeutet: Verdrängung statt Erweiterung.
Im Vordergrund steht auch nicht mehr das Flächenwachstum um jeden Preis, sondern die Qualität des Standortes. Aufgrund der ohnehin großen Verkaufsflächendichte, mangelnder Neubauprojekte sowie einiger schwächelnder Einzelhandelsimmobilien sind freie Flächen in attraktiven Lagen in Österreich rar. Am begehrtesten sind nach wie vor innerstädtische Geschäftslagen gefolgt von Flächen in Einkaufszentren. Je nach Handelsbranche werden hauptsächlich Verkaufsflächen zwischen 100 m² und 200 m² beziehungsweise zwischen 200 m² bis maximal 500 m² gesucht. Flächen von bis zu 100 m² sind speziell bei filialisierten Dienstleistern oder Online-Händlern gefragt. Letztere beispielsweise suchen Kleinflächen für Pick-Up-Stationen. Ebenso gefragt sind Kleinflächen als temporäre Standorte für Pop-Up-Stores, die mittlerweile kein Nischenphänomen mehr sind.
Die meisten Expansionen sind heuer im Bereich „Fashion“ und Systemgastronomie geplant. Die Gastronomieflächen in Shopping Centern und Einkaufsstraßen sind in den letzten Jahren deutlich gestiegen. „Wie unsere Studie zeigt, wird die Expansion immer mehr durch den Fashion-Bereich und die Systemgastronomie getragen. In diesen beiden Branchen gibt es aber auch die größte Fluktuation: Neue Konzepte lösen alte rasch ab“, sagt Geschäftsführer RegioData Research Wolfgang Richter.
Laut der Studie von RegioData plant die Fashion-Branche (Bekleidungshandel, Schuh- und Lederhandel, Schmuckhandel) die höchste Anzahl an Neueröffnungen gefolgt von der Systemgastronomie.

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