Ungarischer Lebensmittelhandel: Rückgänge schon seit 8 Jahren

Die Euphorie bei den westlichen Lebensmittelhändlern war groß, als es 1990 nach der politischen und wirtschaftlichen Wende den nahezu unbearbeiteten ungarischen Lebensmittelmarkt zu erschließen galt. Doch, anders als in den meisten CEE-Ländern, erwies sich dieses Unterfangen für Tesco und andere Marktteilnehmer anfangs zwar leicht, aber später zunehmend als mühsam, vor allem seit der politischen Einflussnahme durch Victor Orban: Bereits seit 2008 sinken die Nettoumsätze im ungarischen Lebensmittelhandel von damals ca. 11 Mrd € auf 9 Mrd €, dazu kommt die zwischenzeitliche Mehrwertsteuererhöhung von 25% auf 27% und verschiedene andere Steuern für (ausländische) Handelsunternehmen. Und neben der nur schwach steigenden Kaufkraft der Bevölkerung und diversen Forint-Abwertungen hat sich auch der „alte“ Lebensmittelhandel wie CBA und CO-OP doch als wesentlich zäher erwiesen als erwartet.
Derzeit ist die Marktkonzentration bereits recht weit fortgeschritten und der größte Anteil des Umsatzes in diesem Segment wird von einer handvoll Unternehmen erwirtschaftet – und die ungarischen Unternehmen mischen kräftig mit!
Noch bis vor einigen Jahren dominierten vorwiegend kleine und unabhängige Familienunternehmen die besonders weniger besiedelten Regionen des Landes. Mittlerweile hat sich jedoch der Filialisierungsgrad deutlich erhöht. Als Marktführer mit etwa 2,4 Mrd € konnte sich die britische Tesco – eines der ersten ausländischen Unternehmen am ungarischen Markt - etablieren, gefolgt von den inländischen Firmen CO-OP Hungary und CBA. Die österreichische Spar mit insgesamt 424 Spar Filialen und 32 Interspar Märkten folgt dicht dahinter, wobei das Engagement allerdings jährlich steigende (Euro-)Verluste produziert.
Generell wird in den nächsten Jahren wieder ein leichtes Ansteigen des Lebensmittelumsatzes erwartet. Nachdem die Anfang 2015 auf 6% erhöhte Lebensmittelaufsichtsgebühr von der EU- Kommission für rechtswidrig erklärt wurde und seit Juli 2015 abgeschafft ist, ist vorausschauendes Wirtschaften für Auslandsinvestoren wieder etwas leichter.