Shopping-Mall-Industrie in den SEE-Ländern: Slowenien und Kroatien heben ab

Der Stand der Shopping Center Industrie zeigt sich in den südosteuropäischen Ländern höchst unterschiedlich und weist einige Überraschungen auf. Es sind nämlich keineswegs die Marktgröße, die Kaufkraft oder das ursprüngliche politische System, das die Marktdurchdringung mit synthetischen Handelsflächen und insbesondere Shopping-Malls bestimmen, sondern wohl eher ein gewisser Herdentrieb der Projektentwickler und Investoren.
Slowenien ist bei der Shopping-Mall Dichte derzeit klar am weitesten entwickelt: Mit aktuell 0,38 m² pro Einwohner nimmt es einen Spitzenplatz nicht nur in den SEE-Ländern, sondern durchaus bei allen europäischen Ländern ein. Der Dichtewert ist damit auch höher als etwa im Vergleichsland Österreich, dessen Einwohner allerdings um ein Drittel mehr Kaufkraft verfügen. Mit 0,33 m²/Einwohner liegt Kroatien ähnlich hoch, allerdings liegt die Kaufkraft noch weit unter jener Sloweniens. Diese außergewöhnlich hohen Dichten entstanden vor allem durch die Boom-Jahre 2006 – 2009, in denen in diesen beiden Ländern etwa ein Drittel der Flächen errichtet wurden.
In Rumänien und Bulgarien hingegen setzte der Shopping-Center-Boom erst etwas später ein – und wurde dann durch die Wirtschaftskrise 2008 jäh unterbrochen. Die Folge ist eine noch vergleichsweise geringe Dichte, wobei allerdings ein Blick auf die aktuelle „Pipeline“ zeigt, dass die beiden Länder wieder in den Fokus westlicher Investoren kommen.
Dass bei Immobilienentwicklungen oftmals ein Herdentrieb zu beobachten ist, zeigt sich offensichtlich auch bei der Entwicklung von neuen Shopping Malls in Kroatien und Slowenien. Zu der bereits besonders hohen Dichte, die von vielen westeuropäischen Ländern mit teilweise mehrfacher Kaufkraft nicht erreicht werden, gesellen sich eine stattliche Reihe, vor allem großflächiger Projekte. Ob und in welchem Zeitraum diese Projekte in Kroatien (insgesamt ca. 330.000 m²) und Slowenien (insgesamt ca. 110.000 m²) realisiert werden, hängt in diesem Fall weniger von Behördenauflagen oder der Finanzierung ab, sondern vor allem davon, ob die Retailer von dem jeweiligen Projekt überzeugt werden können – was in der aktuellen Situation des Einzelhandels generell nicht allzu einfach werden dürfte.