Leichte Entspannung für den Schweizer Einkaufstourismus

Das Währungsverhältnis von nahezu 1:1 zwischen Schweizer Franken und Euro, gekoppelt mit der Mehrwertsteuer- Rückerstattung, erwiesen sich auch 2016 als sehr verlockend für Schweizer Einkaufstouristen. Diese waren im Vorjahr bereit, auch lange Fahrtstrecken in Kauf zu nehmen, um entlang der schweizerischen Grenze bei ihren Nachbarn einzukaufen – insgesamt etwa 9,2 Mrd. Euro. Das sind deutlich mehr als ein Zehntel des gesamten Schweizer Einzelhandels, der dementsprechend auch um diesen Umsatzkuchen trauert.
Die zahlenmäßig größten Abflüsse bestehen im Lebensmittelhandel und bei Bekleidung und Schuhen, wobei bei letzteren auch noch das Thema Onlineeinkäufe zusätzliches Kopfzerbrechen erzeugt. Durch die Anfang 2015 aufgehobene € / CHF Untergrenze wertete sich der Franken im Jahresverlauf um rund 15% auf, wobei sich der Wechselkurs zwischen CHF 1,05 und CHF 1,10 einpendelte. Als Folge dessen, nahmen Auslandseinkäufe, im Vergleich zu den Vorjahren stark zu - vorwiegend nach Deutschland, das die wichtigste Region für schweizerischen Einkaufstourismus darstellt. Insgesamt (alle Länder) kann der Wert der Auslandseinkäufe (ohne Einkäufe in ausländischen Onlineshops) aktuell auf rund 10,6 Mrd. Euro geschätzt werden.
Als wirtschaftliche Gegenmaßnahme wurden beispielsweise die Öffnungszeiten in der Schweiz verlängert, was zum Ziel hatte, Konsumenten zum Einkauf im Inland zu animieren. Für 2017 ist ein Einpendeln des Wechselkurses, dank Negativzinsen und Fremdwährungskäufen der Schweizerischen Nationalbanken, auf CHF 1,10 zu erwarten. Der Einkaufstourismus dürfte sich somit auf das Niveau von 2016 stabilisieren. Für die mäßig gute Konsumentenstimmung, ist jedoch auch 2017 keine besondere Aufhellung zu erwarten. Nachdem die Bruttolöhne deutlich über der erwarteten Inflations- bzw. Deflationsrate angestiegen sind, sollte sich die Nachfrage für das Jahr 2017 um einiges bessern, allerdings auch wesentlich bedingt durch Nettozuwanderung der Bevölkerung. Die Situation im Einzelhandel sollte sich, unter den gegebenen Voraussetzungen, etwas entspannen und ein kleines Umsatzplus erreicht werden.