Einzelhandelsentwicklung: Prognose 2017 für Europa

Die weltweit gebremste Wirtschaftsentwicklung hat in den vergangenen Jahren auch den Einzelhandel in Europa nicht unverschont gelassen. Seit 2015 jedoch, wächst die Wirtschaftsleistung in Europa wieder etwas stärker und es können auch in den wichtigsten Ländern Rückgänge bei der Arbeitslosigkeit verbucht werden, was dementsprechend die Kaufkraft der Konsumenten steigen lässt. Die seltene Situation der im Jahr 2015 konstanten Verbraucherpreise von +0,0 Prozent, die niedrigen Energie- und Kraftstoffpreise, sowie gute wirtschaftliche Rahmenbedingungen erwiesen sich als Vorteil für europäische Konsumenten. Aber nicht nur Einzelhandel konnte durch den Anstieg des privaten Konsums profitieren: Das unattraktive Zinstief trug zwar dazu bei, dass Menschen ihr Geld lieber ausgeben, dies jedoch bevorzugt für Dienstleistungen, Gastronomie, Reisen und Freizeitaktivitäten und nur wenig im Einzelhandel.
Die die im heurigen Jahr, insgesamt gesehen, doch solide Einzelhandelsentwicklung setzt sich vermutlich auch im Jahr 2017 fort, wobei einmal mehr die baltischen Staaten und einige osteuropäische Länder, wie Rumänien (Prognose: +5,0%) und Ungarn (+2,7%), ihr Umsatzwachstum im Einzelhandel fortsetzen werden. Der von einigen prophezeihte große Einbruch der Wirtschaft in Großbritannien ist vorläufig ausgeblieben, wobei das starke Umsatzplus im Einzelhandel (gemessen in €), aufgrund der Aufwertung des britischen Pfunds, relativ zu sehen ist. Für 2017 wird ein Zuwachs von +1,2% prognostiziert. Auch der Markt in Spanien (+2,2%), der sich bereits seit 2014 erholt und die italienische Wirtschaft werden auch 2017 ihr Wachstum weiter zu beschleunigen können. Besonders in Italien konnte ein Anstieg der Kaufkraft verrechnet werden, wobei der Aufschwung allerdings lediglich moderat mit +0,4% fortgesetzt werden wird: Strukturelle Probleme der italienischen Volkswirtschaft, die zuletzt wieder stärker thematisierte Bankenkrise und innenpolitische Kontroversen, sowie die Rekordverschuldung des Haushalts wirken sich bremsend aus.
Die skandinavischen Länder Finnland und Norwegen, werden auch weiterhin leichte Rückgänge beim Einzelhandelsumsatz zu verbuchen haben, wobei die Situation in Finnland strukturellen Problemen und jene in Norwegen der Abwertung der Norwegischen Krone zuzuschreiben sind. Die bisherigen herben Umsatzverluste der Schweiz sind den Wechselkursschwankungen durch die Aufhebung der Frankenkopplung an den Euro zuzuschreiben, welche dem lokalen Einzelhandel die Konkurenz durch den Shoppingtourismus in benachbarte Länder einbrachte. Die durch die russische Krim-Besetzung erklärbaren wirtschaftlichen Verwerfungen der Ukraine (Prognose 2017: -2,5%) und Russland (-2,1%) und der negative Wechselkurs setzten auch dem Einzelhandel negativ zu.
In Bulgarien, das in den letzten Jahren eine relativ große Dynamik im Einzelhandel erlebt hat, wird der Umsatz im Jahr 2017 wahrscheinlich, aufgrund fehlender russischer Investoren und Touristen, um 0,2 Prozentpunkte zurück gehen. In Polen hingegen, scheint der Trend nach oben abgeschwächt anzuhalten und für den Einzelhandel kann ein Anstieg um 1,5% prognostiziert werden. Auch in Ländern wie Tschechien oder Slowakei können leichte Zunahmen erwartet werden. Die Politik dieser Länder hat sich eine Erhöhung der Einkommen vorgenommen, ob dieser Trend zu mehr Konsum seitens der Bevölkerung führt, ist unsicher.
Den zumeist positiven Entwicklungen in Europa stehen dennoch große politische und ökonomische Unsicherheiten gegenüber und es bleibt abzuwarten, wie sich diese auf Verbraucher in den europäischen Ländern auswirken werden. Die steigende Terrorgefahr, die anhaltenden Flüchtlichswellen, Unsicherheit in wichtigen Märkten wie USA, Russand und China werden die europäische Wirtschaft beeinflussen und mit ihr die Konsumfreude oder –möglichkeiten der Konsumenten.