Retail: Shooting Star Rumänien

Vor der großen Wirtschaftskrise 2008 war Rumänien für den Einzelhandel und die Shopping Center Industrie, neben Polen, der Lieblingsmarkt. Immerhin wurden jährliche BIP-Zuwächse von 8 % erzielt und die Kaufkraft der Wohnbevölkerung stieg fast ebenso schnell. Doch dann kam der Absturz: 2009 ging die Wirtschaftsleistung um 7 % zurück. Die Konsumenten konnten nicht mehr so viel konsumieren und die Investoren waren verschreckt. Seitdem ist es um die Handelsentwicklung ruhig geworden. Die Kauflust war gering zumal die Haushalte noch dazu verschuldet waren. In die Schlagzeilen kam die Shopping Center Industrie nur, wenn gerade eben erst fertiggestellte Center wieder geschlossen werden mussten.
Doch nun lohnt es sich wieder, diesen Markt ins Auge zu fassen: Den größten Aufschwung des BIP in der gesamten Euro Zone konnte in diesem Jahr Rumänien, mit einem Anstieg auf 5,9 %, vorweisen. Die aktuellsten Daten prognostizieren der rumänischen Wirtschaft ein Wachstum von 5 % im Jahr 2016.
Diese besonders positive Entwicklung scheint anzudeuten, dass der rumänische Markt sukzessive zu reiferen Märkten aufschließt. Das Inkrafttreten des neuen Steuersystems am 1. Jänner 2016 mit Senkung der Umsatzsteuer von 24 % auf 20 %, die Erhöhung des Mindestlohnes um 19 % und die niedrige Inflation wirken sich positiv auf den Einzelhandel aus. Es ist davon auszugehen, dass die Konsumentenpreise weitgehend stabil bleiben und der gewonnene Margenspielraum für absatzfördernde Maßnahmen genutzt wird.
Auch die Verkaufsfläche pro Kopf, die ein wichtiger Gradmesser für die Reife eines Marktes und den Wettbewerb darstellt, erweist sich in Rumänien als besonders interessant. Im Vergleich zu saturierten Märkten, bietet der rumänische Markt starke Entwicklungspotenziale – falls die Kaufkraft der Bevölkerung weiter in diesem Ausmaß steigt. Zum Vergleich: Die Einzelhandelsdichte in Deutschland beträgt etwa 1,5 m² Verkaufsfläche/Einwohner, in Rumänien hingegen, beträgt sie lediglich 0,7 m².
Im Bereich der Shopping Center Entwicklung reagieren Investoren bereits darauf und ein halbes Dutzend Projekte stehen bereits in den Startlöchern. Vorwiegend die Hauptstadt des Landes, aber auch bedeutende sekundäre Städte im Westen des Landes sind hier bevorzugt. Als Wachstumsmotor ist der private Konsum anzusehen, der die Erhöhung der Investitionen erklärt. Geringe Kosten für Finanzierungen, das erhöhte Vertrauen der Anleger und auch niedrige Zinssätze für Kredite sind weitere günstige Impulse. Als hauptsächlicher Entwickler drei neuer Shopping Center mit geplantem Baubeginn 2017 kann sich das Unternehmen Plaza Centers profilieren. Dieses hat ebenfalls für das Jahr 2017 die Eröffnung eines Retailparks in Zusammenarbeit mit der rumänischen Regierung in Planung. Das neu bearbeitete Gebäude des Casa Radio in Bukarest, mit einer Fläche von 92.000 m², soll in Zukunft sowohl Büros und Handelsflächen, als auch ein Hotel beherbergen. Auch die AFI Europe Group entwickelt derzeit ein Shopping Center im Nord- Westen der Hauptstadt, welches bei seiner Eröffnung über 100 internationale Modemarken im Angebot haben soll. Weiters hat das erfolgreiche rumänische Unternehmen für 2017 ein weiteres Shopping Center in Bukarest und einen Retailpark, in der im Westen des Landes gelegenen Stadt Arad, im Portfolio.
Politik und Wirtschaft scheinen also auf die strukturellen Probleme des Landes reagiert zu haben: Die öffentliche Diskussion, Rumänien künftig als wettbewerbsfähig und nachhaltig wirtschaftsstark zu präsentieren, hat sich also ausgezahlt. Die Politik hat sich die Anwendung der Vorgaben der europäischen Wirtschaftsregierung, einschließlich derer für Europa 2020, eine verbesserte Finanz- und Haushaltsverantwortung, Investitionen in Forschung und Entwicklung, die Entwicklung des Kapitalmarktes, und die Entwicklung realer wirtschaftlicher Konvergenz vorgenommen, und ist fest entschlossen, diese in die Tat umzusetzen.