Die Deutschen, ein reiselustiges Volk

Über 3 % ihrer gesamten verfügbaren Kaufkraft investieren die Deutschen durchschnittlich in den Urlaub. Im Vergleich mit anderen europäischen Ländern ist das deutlich über dem Durchschnitt. Die Österreicher oder etwa die Franzosen geben annähernd gleich viel für den Urlaub aus, die Polen hingegen nur etwas unter 3 % ihrer Kaufkraft. Am reiselustigsten sind traditionell die Schweizer: ganze 5 % ihrer – nicht gerade geringen – Kaufkraft fließen in den Urlaub.
Insgesamt haben die Deutschen 88,3 Milliarden Euro für Urlaubsreisen und Kurzurlaubsreisen (ohne Ausgaben vor Ort) im Jahr 2015 ausgegeben. Damit konnte wieder eine Steigerung der Gesamtaus-gaben in Vergleich zum Vorjahr verzeichnet werden. Den größten Anteil an den Ausgaben (etwa 75%) machten jene Urlauber, die mindestens einmal im Jahr eine Urlaubsreise von 5 Tagen unternommen haben. Die restlichen 25% der Urlaubsausgaben wurden von den Kurzurlaubsreisenden (2 bis 4 Tage Urlaubsdauer) gemacht. Im Schnitt wurden pro Einwohner 1.090 Euro ausgegeben.
2013 hat die durchschnittliche Reisedauer mit 12,2 Tagen nach einer längeren Phase des Rückgangs seinen Tiefpunkt erreicht und war langsam wieder im Begriff zu steigen. Die durchschnittliche Reisedauer in 2015 ist auf 12,5 Tage angestiegen. Dies ist auch durch die Veränderung der Gewohnheiten der Verbraucher zu erklären, denn mit der Entfernung des Reiseziels steigt oft die Anzahl der Übernachtungen vor Ort. Die Fernreisen sind weiter günstiger geworden (günstiger US Dollar, verminderte Flugkosten, gesamt günstigere Preise) und werden dementsprechend öfters in Anspruch genommen.
Das beliebteste Reiseziel der Deutschen war 2015 Deutschland mit einem Marktanteil von fast 30%. Im Inland haben davon Bayern, Mecklenburg-V., Niedersachsen, Schleswig-H. und Baden-W als die Top-5 Destinationen am meisten profitiert. Die populärste Auslandsdestination ist zweifellos Spanien mit dem größten Marktanteil von 13,5%. Unter den 6 meist besuchten Zielen im Ausland zählen noch Italien (8,5%), Türkei (6,6%), Österreich (5%) sowie Kroatien und Frankreich (3%). Die Tendenz zeigt, dass die deutschen Urlauber im Inland 10% und bei Fernreisen 5% mehr und bei Reisezielen im europäischen Ausland 3% weniger Geld ausgeben.
In den letzten 10 Jahren mussten Österreich und Frankreich als Reiseziel anteilsmäßig immer wieder kleine Einbußen hinnehmen. Solche Einbußen sind vor allem durch die immer größere Popularität der mediterranen Reiseziele bedingt, sowie in den letzten Jahren attraktiver werdenden Reiseziele in Asien und Mittelamerika, wo sich durch verbesserte Infrastruktur und Verbesserung des touristischen Angebots (z.B. ansprechendes Preis-Leistungsverhältnis, beachtliche Natur, interessanter Kulturunterschied) mehr Touristen angesprochen fühlen. Dazu kann sich das Fehlen der Pauschalangebote auch negativ auf den Zustrom deutscher Urlauber auswirken, da bei den Pauschalreisen immerhin ein Zuwachs von etwa 10% in dem letztem Jahr verzeichnet wurde.