Die Italiener und die Körperpflege

In keinem Land geben die Bewohner im Verhältnis zur Kaufkraft so viel Geld für Körperpflege aus, wie in Italien. So gesehen zählen sie wohl zu den gepflegtesten Europäern. Zwar zahlen etwa die Schweizer oder Skandinavier absolut gesehen mehr, aber auch die Kaufkraft ist dementsprechend höher. Deutschland liegt bei diesem Wert übrigens nur im Mittelfeld, ein durchschnittlicher Deutscher investiert weniger als 190 € pro Jahr in seine Körperpflege. In Italien hingegen gibt jeder Einwohner im Durchschnitt an die 300 € für diese Warengruppen aus. Wobei hier, wie immer in Italien, zu beachten ist, dass auch in diesem Bereich wesentliche Unterschiede zwischen dem nördlichen und dem südlichen Teil bestehen. Generell ist der Anteil für Feinkosmetik und dekorative Kosmetik an den Konsumausgaben für Drogerie und Parfümerie in Italien im internationalen Vergleich besonders hoch.
Nachdem sich der Gesamtmarkt für Drogerie und Parfümerie, nicht zuletzt auch beeinflusst durch die wirtschaftliche Situation in Italien, in den letzten Jahren leicht negativ entwickelt hat, ist in nächster Zeit von Erholung beziehungsweise wieder leichtem Anstieg des Umsatzes auszugehen.
Die Vertriebswege unterscheiden sich jedoch signifikant von den aus dem D-A-CH-Raum bekannten. Die, im deutschsprachigen Raum, üblichen Formate der Drogeriemärkte (z.B. dm, BIPA oder auch Müller) sind in Italien eher weniger vertreten. Nachdem sich dm vor einigen Jahren aus Italien zurückgezogen hat und Schlecker insolvent ging, gibt es in dieser Kategorie neben Acqua & Sapone mit knapp 700 Standorten und einigen kleineren Marktteilnehmern wie Ipersoap oder Il Tulipano eher wenig filialisierte Drogeriemärkte in Italien. Auch die Bezeichnung „Drogerie“ ist in Italien nicht gebräuchlich (mit Ausnahme Südtirol).
Stattdessen decken sich die italienischen Konsumenten lieber in Lebensmittelgeschäften und Apotheken, aber auch in den zahlreichen Parfümerien und Reformläden (Erboristeria) mit Düften, Feinkosmetik, dekorativer Kosmetik und Körperpflegemitteln ein, wie ein Blick auf die Verteilung des gesamten Drogeriemarktes nach Vertriebskanälen zeigt.