Handelsexpansion in Österreich: Qualität statt Quantität

Auch heuer wird es wohl keine Aufsehen erregenden neuen Markteintritte in Österreich geben: Noch immer ist der Handel vorsichtig in der Eroberung neuer stationärer Gebiete. War das Motto noch vor einigen Jahren „schnell und überall“ so ist es jetzt „mit Maß und Ziel“.
Der noch immer Einzug haltende Onlinehandel aber auch das derzeitige Angebot an stationären Lagen halten die Expansionsabsichten nach und in Österreich zurück. Auf der Unternehmensseite heißt das, dass sich die Anforderungen an neue Standorte verschoben haben. Interessant sind nun nicht mehr hippe Shop-In-Shop Konzepte oder Stand-Alone Lagen sondern Flächen, die sich bestenfalls schon bewährt haben, wie beispielsweise in Shopping Centern oder in der Innenstadt. In der neuesten Ausgabe der Studie „Wer expandiert in Österreich- 2016“ zeigt sich, von insgesamt 516 standortsuchenden Vertriebslinien geben 416 an, dass Standorte in Einkaufszentren für sie interes-sant seien bzw. 442 möchten sich Bestlagen-Angebote in der Innenstadt nicht entgehen lassen.
Bedenkt man, dass es sich bei vielen der gesuchten Standorte um Ersatzflächen handelt, dass also gleichzeitig ein anderer Standort geschlossen wird, kann man davon ausgehen, dass stationäre Flächen gesamt auch heuer wieder zurückgehen werden. Der bisherige Trend seit 2013 wird sich somit fortsetzen und eine Konzentration des Handels bewirken.
Der gebremste Expansionswille zeigt sich aber nicht über alle Branchen hinweg. Bekleidungshändler halten, zwar selektiver aber doch, die Augen offen wenn es um attraktive Standorte geht. 151 Vertriebslinien aus dem Bekleidungshandel sind auf der Suche nach Standorten. Auch der Lebensmittelhandel bleibt von den derzeitigen Trends unberührt, denn immerhin 49 Vertriebslinien geben an, weitere Filialen eröffnen zu wollen. Die freigewordenen Zielpunkt-Standorte werden dabei vor allem den Marktführern REWE, Spar und Hofer zugutekommen. Aber auch für bestimmte Marktnischen (Ethno-Märkte, Bio-Anbieter) dürfte die Nachnutzung interessant sein. Genauso verhält es sich bei den Bekleidungs-Riesen: Nicht nur Hennes & Mauritz, C&A auch kleinere Monolabel-Stores finden sich unter den Standorthungrigen.
Weniger aber doch, ist auch bei handelsnahen Betriebstypen wie Dienstleistern (Friseure...) und Gastronomen die Nachfrage an Standorten gestiegen. Kombiniert mit der Verschiebung der Standortanforderung der Top Player aller Branchen, lässt sich schließen, dass der Branchenmix in den Handelszonen sich künftig verändern wird und zwar in die Richtung, dass es mehr Dienstleistungsangebote geben wird, während der Handel sich weiterhin verdichtet.

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Shop: Wer expandiert in Österreich?